IDSA-Leitlinien im Kreuzfeuer-Skandal um chronische Borreliose
"Chronische Borreliose gibt es nicht" - so werden auch in Deutschland unzählige Borreliose-Patienten abgespeist, oftmals unter Berufung auf die von der IDSA (Infectious Diseases Society of America) herausgegebenen Leitlinien zur Borreliose. Doch bei der Erstellung dieser Leitlinien soll es nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Mitglieder der Komission, die an der Erstellung der Leitlinien maßgeblich beteiligt waren, sollen finanzielle Interessen in Zusammenhang mit Diagnostik und Behandlung der Lyme-Borreliose nicht offengelegt haben. Besonders pikant scheint, dass hierzu offenbar auch Beraterverträge mit Krankenversicherungsgesellschaften gehörten - diese sind naturgemäß wenig daran interessiert, eine chronische Lyme-Borreliose anzuerkennen.
Außerdem soll der Leiter der Kommission gezielt Mitglieder ausgesucht haben, die dem Konzept der chronischen Borreliose ablehnend gegenüber stehen und wissenschaftliche Erkenntnisse, die auf eine chronische Borreliose hindeuten, sollen bei der Leitlinienerstellung nicht berücksichtigt worden sein.
Nun soll ein neues und unter transparenteren Bedingungen zusammengestelltes Expertengremium die Leitlinien überarbeiten. Was auch immer bei der Überarbeitung herauskommt, zwei Dinge hat der Skandal hoffentlich bewirkt: Er zeigt, dass "Expertenmeinungen" nicht unbedingt auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen müssen, wenn finanzielle Interessen mitspielen, und er regt unsere Mediziner (vielleicht) an, die "Leitlinienmedizin" zu überdenken und sich im Zweifelsfall auch eine eigene Meinung zu gönnen.
Skandal um chronische Borreliose
"Chronic" Dishonesty in Medicine?